Natürlich stehen dein Portfolio und deine Bilder im Mittelpunkt. Doch wenn du einen Präsentationstermin bei einem potenziellen Kunden hast, reicht das allein nicht aus. Genauso wichtig sind deine Kommunikationsfähigkeiten, denn nur so lernt ihr euch kennen und findet heraus, ob deine Arbeitsweise zum Kunden passt. Schließlich möchtest du nicht nur deine Bilder zeigen, sondern auch herausfinden, ob eine Zusammenarbeit entstehen kann.
Hier lassen Fotografinnen oft Chancen ungenutzt und verabschieden sich aus dem Kundentermin, ohne zu wissen, woran sie sind. Die Gründe sind vielschichtig. Gerade in der Kreativbranche existiert häufig ein „Coolness-Paradox“: Erfolg haben zu wollen, sich sichtbar zu machen oder die eigene Arbeit aktiv zu vermarkten, passt für viele Kreative nicht zu ihrem Selbstbild. Und oft sind Fotografinnen davon stärker betroffen, als sie denken.
Zeig, was in deiner Arbeit steckt
Moderationskompetenz, rhetorisches Geschick, Schlagfertigkeit, Empathie, Überzeugungskraft, Verhandlungskompetenz oder Konfliktfähigkeit. All das gehört zu einer professionellen Gesprächsführung und macht auch im Präsentationstermin Eindruck.
Ich stelle immer wieder fest, dass es einen riesigen Unterschied macht, ob eine Fotografin mir ihr Portfolio einfach nur vorlegt oder ihre Präsentation kommunikativ begleitet. Eine kurze Einführung in das Portfolio, ein roter Faden durch die Präsentation und eine einfache Frage wie „Was interessiert Sie besonders?“ holen mich sofort ab, denn ich merke, die Fotografin hat sich gut auf unseren Termin vorbereitet. Sie legt mir nicht nur ihre Präsentation vor, sondern gestaltet unser Gespräch aktiv, erläutert die Hintergründe zu den Bildern, schildert ihre Arbeitsweise und berichtet über Referenzen und aktuelle Projekte. So wirkt es professionell, selbstbewusst, es schafft Vertrauen und stärkt damit die Beziehungsebene.
Kommunikation schlägt Perfektion
Immer wieder höre ich, dass Fotografinnen gerne authentisch wirken wollen. Ich sehe da keinen Widerspruch, es ist möglich, authentisch zu sein und trotzdem eine professionelle Gesprächsstruktur zu verfolgen. Niemand erwartet Perfektion, im Gegenteil: Schlagfertigkeit, Humor, Kreativität und Persönlichkeit sind wichtige Eigenschaften, um deinen Präsentationstermin interessant zu gestalten.
Warum stellen viele Fotografinnen ihre Projekte nicht gerne in den Mittelpunkt? Die Gründe dafür sind nicht nur persönlich, sondern auch gesellschaftlich geprägt. Manche haben gelernt, bescheiden zu sein. Es fehlen Vorbilder, außerdem wird kreative Arbeit oft unterbewertet. Selbstzweifel sind weit verbreitet und dazu kommt bei vielen fehlende betriebswirtschaftliche Klarheit. Preisverhandlung wird als Machtspiel erlebt und Konkurrenzsituationen besser vermieden.
Wenn du dich hier wiedererkennst, versuche dein Mindset zu verändern. Denn Präsentieren und Pitchen bedeutet, die eigene Arbeit für bedeutsam zu halten und darüber zu sprechen.
So gelingt deine Präsentation
Neben deinem Mindset gibt dir eine gute Vorbereitung Sicherheit für deinen Kundentermin. Dazu zählt nicht nur, dass deine Präsentation inhaltlich aussagekräftig und auf das Interesse des Kunden abgestimmt ist. Informiere dich vorab: Welche Funktion hat dein Ansprechpartner? Wo gibt es gemeinsame Interessen oder Anknüpfungspunkte? Falls der Termin als Online-Call stattfindet, prüfe Software, WLAN und ob du dein PDF vorab dem Kunden zur Verfügung stellen möchtest. Denn die Bildschirmfreigabe kann die Bildqualität leicht beeinträchtigen.
Prüfe, wie du dich vorstellen möchtest. Was sagst du zu deiner Person und über deine Projekte? Das ist zwar kein Elevator Pitch, aber eine mündliche Vorstellung leitet perfekt zu deinem Portfolio über. Und ganz wichtig, mach dir vorher klar, welches Ziel du am Ende des Gesprächs erreicht haben willst, dann kannst du vor der Verabschiedung darauf zu sprechen kommen.
Teamwork: Sachebene und Beziehungsebene
Mit dieser Vorbereitung gehst du deutlich sicherer in deinen Kundentermin. Denn für Aufregung gibt es keinen Grund. Übrigens verläuft jedes Gespräch nach einem ähnlichen Rhythmus: Es beginnt mit der Kontaktphase, Begrüßung und Vorstellung, gefolgt von der Bedarfsphase, dem Präsentieren und dem fachlichen Gespräch und endet mit der Verabschiedung und den nächsten Schritten. In der ersten Phase ist Gelegenheit für Small-Talk und Kennenlernen, das wirkt auf die Beziehungsebene. Erst in der Bedarfsphase geht es um die Sachebene und den fachlichen Austausch. Neben dem Vermitteln von Informationen kannst du jetzt perfekt mit dem Kommunikationswerkzeug der Fragetechniken arbeiten und herausfinden, ob sich eine Zusammenarbeit ergeben könnte und welche Aspekte deines Portfolios ihn besonders ansprechen.
Oft sind Fotografinnen in dieser Phase wenig selbstbewusst. Anstatt ihre Ideen und Projekte zu erläutern, Referenzen zu erwähnen und geplante Arbeiten zu skizzieren, bleiben sie zurückhaltend und lassen das Gespräch laufen. Zurückhaltung und reaktives Verhalten sind jedoch kontraproduktiv und vermitteln den falschen Eindruck. Eine gute Mischung aus Begeisterungsfähigkeit, Interesse und Fachkompetenz ist gefragt und die solltest du nicht nur in deinen Bildern ausdrücken, sondern persönlich.
Jetzt bist du dran!
Wer seine Portfolio-Termine verbessern möchte, sollte zunächst die eigenen Stärken in den Mittelpunkt stellen. Zeige nur Arbeiten, hinter denen du wirklich stehst. Sprich regelmäßig über deine Projekte und suche bewusst Situationen, in denen du deine Arbeit präsentieren kannst. Richte deinen Blick auf Lösungen statt auf Probleme und hinterfrage dein Umfeld: Unterstützt es dich dabei, sichtbar zu werden? Falls nicht, ist vielleicht genau jetzt der richtige Zeitpunkt für Veränderungen.
Recap
- Bereite nicht nur dein Portfolio vor, sondern auch deinen Auftritt. Gute Kommunikation entscheidet oft genauso über den Erfolg wie starke Bilder.
- Präsentiere deine Arbeit aktiv. Erkläre deine Projekte, erzähle von deiner Arbeitsweise und führe selbstbewusst durch dein Portfolio.
- Authentisch statt perfekt. Persönlichkeit, Interesse und eine klare Gesprächsstruktur wirken überzeugender als Perfektion.
- Nutze den Termin strategisch. Stelle Fragen, finde den Bedarf deines Kunden heraus und kläre konkrete Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit.
- Trainiere deine Sichtbarkeit. Je häufiger du über deine Arbeit sprichst und sie präsentierst, desto sicherer und überzeugender wirst du.