„A labyrinth unfolds“, heißt es zu Beginn des Buches. Und genau das tut es. Wie der Prolog zu einem Stück über Selbstverständnis, das sich nun vor uns abspielt. Es ist eine Reise durch Methoden und Bedeutungen, auf die Dev Dhunsi uns mitnimmt.
Verlag
MACK x Self Publish, Be Happy
Layout
Schrumpffolie mit metallischem Siebdruck
14 × 17,5 cm, 304 Seiten
Preis
€35,00
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Dhunsi ist norwegisch-indisch, doch im Norwegischen gibt es kein Wort für „mixed“. Anstatt diese Lücke einfach nur zu erklären, nutzt er sie zur Erlaubnis, fortwährend die Mittel zu wechseln: Mythos, inszenierte Modefotografie, Dokumentation, Archiv. Jedes wird zu einem weiteren Versuch, ein Wort zu finden für etwas, das seine eigene Sprache nicht kennt.
Gerade diese Weigerung, sich festzulegen, ist das eigentliche Thema des Buches. Die ersten Bilder sind desorientierend und fremdartig. Sie erschüttern jedes Vertrauen in das Gesehene, bevor die Erzählung überhaupt richtig begonnen hat. Von dort aus bewegt sich Dhunsi durch die Kunstfotografie in eine modische Bildsprache, unterbricht sie mit Text und taucht dann in einen wärmeren, dokumentarischen Ton ein. Natur trifft auf verzerrte analoge Bilder, als könne kein einzelnes Genre fassen, wonach er sucht. Es folgen gesättigte, theatralische Selbstporträts, in denen Dhunsi sich nicht nur mit indischer Folklore beschäftigt, sondern sich in sie hineinstellt. Identität wird hier nicht dokumentiert, sondern performativ hervorgebracht. Dann erscheinen, wie ich sie nennen würde, „die Geister“: eine magische, offene Bildsprache, die mit der Kraft der Natur spielt. Die Figuren scheinen in einem Vakuum platziert und führen zurück zu jener außerweltlichen Verunsicherung, mit der das Buch begann.
Darauf folgt eine klarere, direkte dokumentarische Sequenz, anschließend bearbeitete und angeeignete Archivfotografien. Begleitet werden sie von Randnotizen auf den leeren Seiten, wie Regieanweisungen, die die emotionale Wirkung des stillen Zusammenspiels von Ton und Bild verstärken. Das Archiv schließt mit „DNA – Do Not Ask“, einem Titel, der weniger wie Information klingt als wie die Verweigerung davon.
Danach führt das Buch seine früheren Bildsprachen wieder zusammen: Alltag, Freundschaft und – zum ersten Mal ausdrücklich – ein Ort, Oslo. Schließlich kehren die Geister ein letztes Mal zurück. Als löse sich die Suche nach einer greifbaren Identität ins Nichts auf und zöge uns wieder in Dhunsis Labyrinth hinein. Einen Ausgang gibt es nicht, nur den Weg weiter hinein, tiefer in die Bedeutung von „mixed“.
Auch materiell spielt Mixed sein eigenes Spiel mit dem Vermischten. Das Buch ist klein, fast tagebuchartig, etwas, das man mit einer Hand hält und das dadurch intim wirkt. Zugleich ist das Papier dick und glänzend, eher wie beim Blättern in einem alten Modemagazin als beim Lesen eines Tagebuchs. Dieses glänzende, leicht schwere Papier verleiht ihm Gewicht und macht es zu einem popkulturellen Objekt, nicht zu etwas, das nur für den eigenen Schreibtisch gedacht ist. Diese Verbindung aus klein und persönlich, aber wie ein Magazin produziert, gehört zu derselben Idee, die das ganze Buch durchzieht: zwei Dinge zusammenzuführen, die eigentlich nicht nebeneinanderpassen, und sie dennoch funktionieren zu lassen.
Mixed ist der Beweis dafür, dass Bilder nicht gleich aussehen müssen, um in einem Buch zusammenzugehören. Dhunsi, ein Mixed-Media-Künstler, so bezeichnet ihn zumindest seine Bio und das ließ mich schmunzeln, bewegt sich zwischen Kunstfotografie, Mode, Dokumentation, inszeniertem Porträt und Archiv, ohne dass das Buch je seinen roten Faden verliert. Jeder Wechsel des Genres wirkt wie ein bewusster Zug innerhalb der Erzählung, nicht wie ein Bruch mit ihr.
Die Struktur besitzt etwas ausgesprochen Theatralisches. Sie inszeniert eine Identität durch viele visuelle Stimmen und lässt sie überzeugend nebeneinander bestehen. Dhunsis Arbeit erinnert eindringlich daran, dass ein Fotobuch formale Vielfalt tragen und dennoch erzählerisch vollkommen stimmig sein kann. Nicht obwohl, sondern gerade weil es so viele Bildsprachen erkundet, in einer Welt, in der Worte als Erklärung nicht ausreichen.