Die eigenen Bilder für das Portfolio oder die Website auszuwählen ist für viele FotografInnen schwierig. Für dich auch? Welche Bilder sind relevant und welche ergeben eine gute Serie? Weil es oft so viele Motive sind, fällt allein die Auswahl schwer. Und der (emotionale) Abstand zu den Bildern und der Arbeit, um eine weniger subjektive Auswahl für KundInnen treffen zu können, fehlt sowieso.
Unterschiedliche Motive kreativ und visuell ästhetisch zu kombinieren, ist für viele FotografInnen zäh. Dabei wird das Thema oder die Geschichte erst durch eine mutige und ungewöhnliche Erzählweise wirklich interessant. Und wenn du es schaffst, dich von einer chronologischen Editierweise und von eingefahrenen Kategorien zu lösen, wird deine Auswahl und die Geschichte spannend.
Keine Einzelgänger!
Es stimmt, „Bilder sagen mehr als tausend Worte“. Das zeigt sich zum Beispiel auf Instagram. Aber welche Bilder erzeugen Interesse und bleiben hängen? Es kommt auf die richtige Auswahl und Zusammenstellung an. Deine fotografische Arbeit gewinnt an Gehalt und Aussage, wenn du seriell arbeitest und deine Motive keine Einzelbilder bleiben. Ein einzelnes Bild mag „schön“ sein, nur wird daran nicht erkennbar, womit die Fotografin oder der Fotograf sich beschäftigt und welche Aussage mit dem Motiv getroffen wird. Aber gerade das ergibt den emotionalen, den kreativen oder den kommerziellen Wert deiner Arbeit. Abgesehen von der werblichen Auftragsfotografie, wo manchmal Einzelmotive beauftragt werden, zählt in den freien Arbeiten von FotografInnen und in vielen Editorials die serielle Erzählweise und die Interpretation eines Themas.
Schau auf das Ganze!
Ein großer Teil meiner Arbeit mit FotografInnen ist das Editieren von Motiven für ihr Portfolio oder ihre Website. Übrigens gerne auf eine haptische Art und Weise, nämlich mit Layout-Prints im Postkartenformat. Weil FotografInnen zu nah an ihrer Arbeit dran sind, rationalisieren sich manche die besten Bilder selbst weg. Zu Beginn zeigen mir die FotografInnen ihre favorisierte Auswahl und legen die Prints aus. Das zeigt oft wenig Wirkung. Nicht weil die Bilder oder das Thema schlecht sind, sondern weil die Auswahl zu kleinteilig und ähnlich ist. Weil es keine “Störer” gibt. Weil der Blickwinkel nicht wechselt. Weil die Distanz immer dieselbe ist. Oder weil es sich um eine langweilige chronologische Erzählweise handelt.
Ein Beispiel: Die Bildauswahl einer Fotografin zeigt ein Portrait in drei Varianten. Kann man so nicht im Portfolio oder auf der Website zeigen, weil langweilig. Aber bei der Produktion sind weitere Motive entstanden, die das Umfeld der porträtierten Person zeigen. Also haben wir die Motive von Räumlichkeiten, Architektur, persönlichen Gegenständen und Details ausgewählt und zusammen mit einem Portrait in eine Bilderreihe gelegt. Sie umfasste 8 Motive im Hoch- und Querformat. Wir tauschten die Motive untereinander bis wir eine spannende Reihenfolge hatten. Dabei stellten wir fest, dass das Portrait eine schöne Symbiose mit der Räumlichkeit eingeht, die zusammen einen starken Aufmacher der kleinen Serie bildet und den Betrachter in die Bildergeschichte der Person hineinführt und dazu mehr Hintergründe der Persönlichkeit preisgibt.
Weniger ist mehr!
Blätterst du ab und zu in Printmagazinen? Welche Bilder ein Thema verdeutlichen oder eine spannende Geschichte erzählen, kannst du am besten in guten Printmagazinen sehen. Für die abgedruckten Bilderstrecken suchen BildredakteurInnen zusammen mit der Kreation die Motive aus, die das Thema transportieren und den Text unterstreichen. So viel wie nötig und so wenig wie möglich, ist oft das Motto, nicht nur aus Platzgründen. Printmagazine zu “studieren” ist eine gute Übung für die eigene Bildauswahl und Zusammenstellung. Auch wenn es nicht mehr so viele interessante Bilderstrecken gibt, manche Magazine begeistern darin einfach.
Gut fotografieren zu können ist Voraussetzung, aber es ist auch eine Kunst, sich gedanklich von den eigenen Bildern zu lösen, um ihnen eine spannende Reihenfolge und Interpretation zu geben. Und je nach Bildauswahl kannst du mit denselben Motiven unterschiedliche Geschichten erzählen.
Recap
- Denke in Bildpaaren und nicht in Einzelbildern
- Schau dir alle Perspektiven an, von den Details bis zum Panorama, die Kombination macht deine Geschichte spannend
- Bringe deine Bildauswahl durcheinander, erzähle nicht chronologisch
- Die Kunst ist es, Bilder auszulassen, mit Mut zur Lücke zu erzählen
- Keine Dopplungen oder Wiederholungen
- gute Geschichten ergeben Bilder, die von der Produktion her nichts miteinander zu tun haben, zum Beispiel Food und Architektur oder Landschaften und Stills
- Mit nur zwei gegensätzlichen Bildern hast du bereits eine kleine Geschichte
- Editiere mit Layout-Prints
- Eine gute Serie beginnt mit dem stärksten Bild, dem Keyvisual, das deine Geschichte am besten verdichtet und als Symbol taugt
Von Silke Güldner
Silke Güldner ist Coach und Consultant für Fotografinnen und Fotografen sowie Kreative.